Verein > Chronik > Geschichte > Der erste Start

Der erste Start

von Otto Betzner

Lilienthals FlugversucheFliegen - ein Traum, der Menschen, bis Otto Lilienthal 1891, also vor 111 Jahren, diesen Traum auf solider, wissenschaftlicher und praktischer Art Wirklichkeit werden ließ. So waren hier in Wershofen, lange bevor wir unsere Segelfluggruppe gründeten, einige Jungs, die fliegen wollten, um sich auch mal zwischen den Wolken zu bewegen und alles von oben zu betrachten. Sie hatten schon öfter Flugzeuge über Wershofen fliegen sehen, besonders, wenn Rennen auf dem Nürburgring war. In der Zeitung waren auch manchmal Bilder von Flugzeugen zu sehen. Und dann hatte man im Kino auf Pfahls Saal in der Wochenschau genau gesehen, wie Flugzeuge starten und landen.

Da hier in Wershofen ja keine Flugzeuge landeten, beschlossen diese Jungs, selber ein Flugzeug zu bauen und legten los. Nach ein paar Wochen war es soweit. Es kam der Tag für den Jungfernflug. Das Fluggelände hatten sie sich schon lange ausgesucht. Es war der Hang im Süden, unterhalb des Dorfes, wo man im Winter so gut Schlitten fahren konnte. Man hatte einen langen Rollweg von ca. 100 Meter, dann kam ein Rain (eine Sprungschanze). Da mußte das Flugzeug abheben, über einen Weg und einen Seifen fliegen und anschließend auf der gegenüberliegenden Wiese landen. --------- So war es gedacht.

Die jungen Konstrukteure gingen noch mal ums Flugzeug. Es musste sicher gut fliegen. Mit den hohen Fahrradrädern würde es auch den Berg runter die richtige Geschwindigkeit erreichen um abzuheben. Die Bretter für die Flügel und den Rumpf waren Schalbretter aus dem Sägewerk von Nette Scheng. Die waren gewiss fest genug und die paar Latten von Nachbars Gartenzaun hielten so einen Flug bestimmt aus. An Nägel hatte man nicht gespart.

Dann stieg der Pilot ein. Wochenlang hatte er auf diesen Tag gewartet. Aber jetzt --- er sah den steilen Hang --- die Sprungschanze --- den Seifen, es war ihm zum Fliegen nicht mehr zu Mute. Jetzt kneifen? Nein, das war nicht seine Art und ausserdem lag der vorgesehene Landeplatz ja auch in Sichtweite.

Er wurde angeschoben und los gings. Immer schneller, immer schneller, dann kam die Sprungschanze, der Abhebepunkt und die große Überraschung --- nach wenigen Minuten zogen sie ihren mutigen Piloten fast unverletzt aus den Trümmern.

Was war geschehen? Das Flugzeug hätte doch fliegen müssen. Was war verkehrt gewesen? Es war doch wirklich ganz schnell den Hang runter gerollt. Die Räder waren dran geblieben, aber es hatte sich nicht in die Lüfte erhoben.

Still und nachdenklich gingen sie den Nehmes Berg hoch --- ohne Flieger. Ihr Traum vom Fliegen hatte sich nicht erfüllt. Aber das Verlangen einmal zu fliegen, war geblieben.

Nachwort:

Die jungen Flugzeugbauer waren:

Der allzu früh verstorbene Theo Hollender, unser Mitglied Willi Ohlenhard -der Vater von Klaus-, und natürlich unser Karl Brenner.

Der mutige Pilot, --- unser Mitglied und ehemaliger Bürgermeister Peter Udelhofen, der Schwager vom Karl.