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Mein Tag auf dem Flugplatz

Ein Tag aus der Sicht eines Flugschülers

Der Wecker klingelt um 8:55 Uhr. Heute stehe ich gerne auf, denn es ist Sonntag. Am Frühstückstisch schlage ich noch mal kräftig zu, vielleicht fliege ich ja heute über Mittag. Schon hupt es draußen, Natalie ist da um mich mitzunehmen. Ich greife schnell noch die Sonnenbrille, mein Cappy und schwinge mich ins Auto. Zehn vor zehn sind wir auf dem Flugplatz. Es ist noch etwas kühl. Die Sonne scheint aber schon kräftig. Es riecht förmlich nach Thermik. Der ganze Fliegerhaufen ist in Aktion. Der Windenfahrer tankt die Winde, der Seilfahrer fährt den Lepo vor, der Flugleiter legt das Lande-T aus. Wir räumen die Flugzeuge aus der Halle und schieben sie an die Startstelle. Klaus, unser Fluglehrer, checkt mit mir die ASK21, unseren Doppelsitzer. Ich bin heute als vierter dran. Jeder Flugschüler macht zunächst zwei Starts. Denn bis ungefähr 11:30 Uhr ist noch keine Themik zu erwarten, also gibt es zunächst nur Platzrunden von 5 bis 8 Minuten. Aber dabei kann man sich als Flugschüler am besten auf Start und Landung konzentrieren. Und die muss man beherschen, um zum ersten Alleinflug starten zu können. Ein paar mal habe ich es schon ganz gut hin bekommen. Vielleicht bin ich bald so weit...

Mittlerweile ist es bereits 12:15 Uhr und ich bin immer noch nicht geflogen. Die Thermik hat vor einer halben Stunde eingesetzt. Thomas ist mit der ASK 21 schon eine Weile weg. Er fliegt alleine und er wird sicherlich gerade total happy sein. Aber nach einer halben Stunde wird er landen, so ist es für die Doppelsitzer vereinbart, damit jeder mal dran kommt. Nach ihm bin ich an der Reihe. "Da oben die Wolke könnte auch mir zu einem längeren Flug verhelfen", denke ich gerade, als eine ganze Horde von Leuten auf den Startbus zukommt. Das riecht nach Gastflügen. Zum Glück kommen wir noch vorher in die Luft und wenn ich es jetzt schaffe Thermikanschluß zu finden kann ich auch was länger fliegen.

Der Start war in Ordnung, aber die Wolke ist ganz schön weit weg. Klaus meint es würde klappen. Also los. Und tatsächlich bewegt sich das Vario als wir in 280 m unter der Wolke ankommen nach oben. Es ist zwar nur ein halber Meter aber auch der bringt uns nach oben. Zumindest 50 Meter, dann habe ich den Bart irgendwie verloren. Mein Fluglehrer will auch nicht übernehmen. Er meint das müßte ich so langsam können. Also fliege ich ein bißchen weiter Richtung Süden. Wir verlieren noch mal die eben erkurbelten 50 Meter, aber dann kommt es richtig. Der Bart geht mit drei Metern nach oben und schon bald sind wir auf 1.200 Metern Höhe. Klaus murmelt zwar etwas von Essen, aber auch er ist von dem Wetter so beeindruckt, dass er mir jetzt schon die McReady-Theorie zum Streckenflug erklärt und sie mit mir übt. Wir fliegen fast bis zum Nürburgring. Echt klasse! Und natürlich zurück. Dabei üben wir noch mal Schnellflug. Bei der Landung ist meine Anfluggeschwindigkeit etwas zu hoch, weil ich mich an das höhere Fahrtgeräusch gewöhnt habe. Es wird keine Punktlandung, aber wir setzten sauber auf. Eine Stunde und 21 Minuten, ein irrer Flug!

Am Nachmittag macht Natalie ihren ersten Flug auf der LS- 4, unserem Kunstoff-Einsitzer. Gegen Abend mache ich noch 2 Starts, einer davon ist eine Seilriss-Übung. Damit bin ich bald soweit, dass ich alleine fliege.

Vielleicht schon nächsten Samstag?