Presse

Veröffentlichungen von Berichten der Segelfluggruppe Wershofen im EIFELECHO:

Artikel "Nordeifelwetter" vom 24.11.2017

Artikel "Lausbubengeschichte" vom 4.12.2017

 

Autor: János Wágner

 

 

Weitere Nachrichten:

Verkehrsflugzeuge dürfen tiefer über das Euskirchener Stadtgebiet fliegen

 


Pilot serviert schnitzel

Wershofen. Nach langer Winterpause freuen sich die Mitglieder der Segelfluggruppe in Wershofen nun endlich wieder in die Lüfte aufsteigen zu dürfen. Seit Ostern heißt es „Start frei“ für die Segelflieger. Und auch für Ausflügler, die stets willkommen sind, um zu preisgünstigen Gastflügen mitgenommen zu werden.

 

Die Thermikklause, in der zurückliegenden kalten Jahreszeit frisch renoviert, erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Auch bei Eifel-Touristen, die sich den Flugbetrieb lieber vom Boden aus anschauen. Peter Dickhoff (60), seines Zeichens seit 33 Jahren selbst passionierter Pilot, und seine Frau Angie Dickhoff (50) servieren den Flugbegeisterten Süßes und Deftiges. Den Kuchen backt der gelernte Bäcker selbst. Die Restaurantfachfrau beherrscht ihr Fach von der Pike auf. Bevor sie mit ihrem Mann die Thermikklause am Fluggelände übernahm, arbeitete sie bereits in den namhaften Wershofener Hotels Kastenholz und Pfahl. Weil die beiden als Vereinsmitglieder ein gutes Gespür für die Bedürfnisse ihrer jungen wie älteren Gäste haben, wagten sie 2017 den Schritt in die Selbstständigkeit. Pommes mit Majo in einer kurzen Flugpause geht im Flugplatz-Restaurant genauso über den Tresen wie saftige Schnitzel aus der Region oder der schmackhafte griechische Salat. Natürlich fehlt auch das Feierabendbier nach langen Flugtagen nicht.

 

Die Wershofener Flieger verdanken ihren Nachwuchs auch der Gastronomie. So manch einer hat sich auf der Aussichtsterrasse an der Landepiste sitzend dann doch dazu hinreißen lassen mitzufliegen. Eine dreimonatige Schnuppermitgliedschaft ist dann die beste Gelegenheit, auszuprobieren und in sich hinein zu spüren, ob die Fliegerei das richtige Hobby für einen selbst sein könnte. Neugierige dürfen selbstverständlich Fragen stellen und sich auch einfach mal so in ein Segelflugzeug setzen. Die am Häufigsten gestellte Frage: ist Segelflug teuer? Nein, lautet dann die Antwort, ist es nicht. Denn die Segelfliegerei ist ein Vereinssport, bei dem sich alle einbringen müssen und mitgearbeitet wird. Baustunden werden unter anderem im Winter bei der Flugzeugwartung gesammelt. Auch die Winde, mit der die Fluggeräte in drei Sekunden von null auf hundert beschleunigt und auf rund 400 Meter über Flugplatzhöhe zieht, will fachgerecht bedient werden. Es gibt viele Betätigungsfelder rund um den Flugbetrieb, um das Stundensoll abzuarbeiten, was dann letztlich die Preise günstig hält. So kostet ein Windenstart die Vereinsmitglieder nicht mal 2,50€ - also etwa so viel wie eine Portion Pommes. Damit ist die Fliegerei auch für Jugendliche erschwinglich. Ab 14 Jahren darf geflogen werden. 

 

„Der Winter liegt Gott lob jetzt hinter uns“, freut sich Dickhoff, der sich nach regem Restaurantbetrieb an Wochenenden und Feiertagen gerne auch selbst ins Cockpit setzt. Wo sonst bekommt man schon sein Essen vom Piloten serviert?

Text & Foto: Stefan János Wágner

 


Artikel für die Verbandszeitschrift des Landesluftsportverband Rheinland-Pfalz e.V. „LUFTSPORT“

 

15.08.2017

 

Erstes fliegendes Denkmal in Rheinland Pfalz?

von János Wágner

 

 Wershofen. Weil an verschiedenen Stellen des Prototyps der Lack abplatzte, machten sich Mitglieder der Segelfluggruppe Wershofen im Rahmen eines Lehrgangs daran, einen alten Schatz, der sich im Fundus des Vereins befindet, als Übungsobjekt zu nutzen. Gut ein halbes Jahrhundert gleitet das Segelflugzeug vom Typ ASK13 bereits durch die Lüfte. Die 1966 gebaute Maschine war in die Jahre gekommen.

 

Das altehrwürdige Fluggerät – es war das erste Exemplar dieser Baureihe – stammt vom renommierten Segelflughersteller Alexander Schleicher in Poppenhausen auf der Wasserkuppe. Das Modell wurde entworfen vom legendären Segelflugzeugkonstrukteur Rudolf Kaiser, dessen Initiale das Flugzeug trägt. Somit hat sich der 1922 in Waldsachsen geborene Ingenieur verewigt. Bei den Fliegern heißt das Flugzeug kurz „K13“. Die dreizehn steht für die Baureihe dieses Typs. Schleicher produziert seit 1927 in der Rhön. Bis heute.

 

Modelle dieser Serie liefen insgesamt rund 700 mal vom Band. Seit Mitte August 2017 ist die K13 nach einer grundlegenden Sanierung durch die Wershofener Segelfluggruppe wieder tauglich für den Einsatz.

 

Die Flugschüler sitzen jeweils vorne und steuern das Gerät, der erfahrende Fluglehrer sitzt dahinter. Eng ist es in der K13. Haptisch reizvolle Materialien wie Stahl, Holz und Stoffbespannung sind verbaut. Eine spartanische Ausstattung. Verglichen mit modernen Kunststoffseglern ist das museale Luftfahrzeug ziemlich retro – und es fliegt sich auch so. Beschaulich.

 

Die Plexiglaskuppel bietet auf allen Plätzen eine fantastische Rundumsicht, da es sich hier um einen Mitteldecker handelt. Die Tragflächen sind unterhalb des Rumpfes angebracht. Zudem sind sie vorpfeilig. Die Flügelspitzen kragen zu den Enden hin nach vorne. Das schafft eine besondere Ästhetik. Und über die verfügt das Segelflugzeug nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bespannung rot und die Tragflächen weiß gehalten sind. Eifeler, die also künftig ein rotes Segelflugzeug in der Region um Wershofen im Landkreis Ahrweiler sichten, wissen spätestens jetzt, dass es sich bei diesem Flugobjekt um eine echte Rarität handelt.

 

Angeschafft hatten die Wershofener Fliegerfreunde ihre K13, weil die Mitgliedszahlen im vergangenen Jahrzehnt sprunghaft angestiegen waren. Ein weiterer Schulungsflieger musste her. Die K13 ist besonders auch deshalb für Schulungszwecke geeignet, weil sie Trudelübungen, zu gut deutsch Sturzflüge, bei denen das Flugzeug wie ein welkes Blatt um seine Hochachte dreht, zulässt. Kontrolliertes Trudeln ist eine der Disziplinen im Kunstflug, die zu beherrschen höchst anspruchsvoll ist. Das Trudeln wird auch im Rahmen der Ausbildung demonstriert, um die Beendigung dieses an und für sich gefährlichen Flugzustandes zu üben.

 

Erworben hatte der Verein sein Schätzchen für nur zehntausend Euro in Sylt, von wo es im Jahre 2005 per Flugzeugschlepp in die Eifel befördert wurde.

Viel Arbeit kam da auf die Segelfluggruppe in Wershofen zu. Auch ein Segelflugzeug altert. Vor allem, wenn Witterungsbedingungen, Kälte und Hitze, an der Außenhaut zehren. Noch dazu werden durch den Segelschulbetrieb alle beweglichen Teile wie Höhen-, Quer- und Seitenruder wie auch das Fahrwerk und der Rahmen stark beansprucht.

 

Die Sportfreunde in Wershofen stellten sich der Aufgabe, ihre K13 zu restaurieren. Allen voran der 57-jährige Bad Neuenahrer Norbert Mülligann, seit drei Jahren Mitglied im rund 170 Mitglieder zählenden  Wershofener Segelflugverein. Bereits als zwanzigjähriger war der gelernte Werkzeugmachermeister angetan vom Luftraum. Als Drachenflieger. Seit zwölf Jahren fliegt er bereits auch mit Segelfliegern. Er hat sein passendes Pendant gefunden. Seine Frau Heike frönt der Fliegerei bereits seit vier Jahrzehnten. Als vierzehnjährige kam sie zum Luftsport. Eine gute Kombination für das zeitraubende Hobby.

 

Mülliganns Passion ist das Schrauben. Sein Vater war Schreiner. Daher hat er ebenso Bezüge zum Holz. Über dreihundert Arbeitsstunden steckte er seit vergangenem Winter in die Restaurierung, seine Frau zusätzlich weitere hundertfünfzig. Auch die Vereinsjugend sowie weitere passionierte Bastler brachten sich werkelnd ein.

 

Um die umfangreichen Arbeiten sachgerecht durchführen zu können, besuchte Mülligann beim rheinland-pfälzischen Luftsportverband in Bad Sobernheim eigens einen Lehrgang und erwarb das Zertifikat zum Zellenwart. Zellenwarte im Luftsport sind befähigt Flugzeuge in Holz- und Gemischtbauweise zu restaurieren. Mülligann ist für den Verein der Mann der Stunde. Er beherrscht alle Disziplinen.

 

Das alte Muster wurde komplett zerlegt. Jede Schraube wurde unter die Lupe genommen, der Rahmen abgeschliffen und neu lackiert, die Bespannung rundum erneuert, in mehreren Schichten wurde die tiefrote Farbe aufgetragen. Ein weißer Streifen ziert die Längsseiten. Alles wurde in den Originalzustand zurück versetzt.

 

Die Frage, warum ihm ausgerechnet dieses alte Flugzeug ans Herz gewachsen sei, zaubert Mülligann ein Strahlen ins Gesicht: „Ich liebe alte Flugzeuge! Wie Oldtimer bei den Autos...“

 

Das Flugverhalten sei gutmütig, attestiert Mülligann der K13 mit ihrer Spannweite von 16,25 Metern. Ohne dass der Luftstrom abreißt, kann das Flugzeug mit nur knapp über sechzig Stundenkilometern in der Luft fortbewegt werden. Das ist sehr erstaunlich. Die Entdeckung der Langsamkeit ausgerechnet in der Luft!

 

Am Samstag, den 12. August 2017 war es dann nach Abschluss der Sanierung endlich soweit. Der Prüfer des Landesluftsportverbandes, Jörn Kranigk, nahm nach der zeitraubenden Restaurierung das Muster unter die Lupe. Es wurde gewogen, austariert, gemessen. Und frei gegeben. Seit dem Wochenende fliegt sie nun wieder. Sie – eine Grand Dame der Segelfliegerei. Die knallrote K13 hat wieder TÜV, um es in der einfachen Sprache der Autofahrer auszudrücken.

 

Für die Wershofener Flieger ist dies ein Grund zum Jubeln. Hatten sie doch auf ihrem Flugplatz erst einen Monat zuvor Fachleute vom Denkmalschutz aus Mainz und von der unteren Denkmalbehörde aus Bad Neuenahr-Ahrweiler zu Besuch, die Interesse bekundeten, das betagte Schmuckstück in die Denkmalliste aufzunehmen. Ein bislang einmaliger Vorgang in der rheinland-pfälzischen Luftfahrtgeschichte.

 

Nun wartet die Segelfluggruppe Wershofen mit Spannung auf den Entscheid aus der Landeshauptstadt.

 

Als Nachfolgeprojekt haben die Wershofener bereits als Alternative die Ausrüstung mit einer offenen Haube ins Auge gefasst. Diese hat es bei diesem Muster historisch zwar so nicht gegeben, sie bietet aber die Möglichkeit für Piloten, Flugschüler und Fluggäste, sich bei gutem Wetter den Wind um die Nase wehen zu lassen. Grund genug für Interessenten einmal bei den Wershofener Fliegern vorbeizuschauen, um für einen überschaubaren Unkostenbeitrag mit einem Oldtimer-Segelflugzeug in die Luft zu gehen und sich die Eifelllandschaft aus der Vogelperspektive anzuschauen.

 


Segelflieger am Nürburgring

Eine Veröffentlichung aus den Adenauer Nachrichten - ein Rückblick zum Tag des Ehrenamtes am 2. September 2017:

 

Ein ungewohntes Objekt wurde vergangenen Samstag auf dem Nürburgring gesichtet. Ein Flugobjekt! Um genau zu sein: ein Segelflugzeug. Grund war die Präsenz der Segelfluggruppe Wershofen beim 1. Tag des Ehrenamtes der Verbandsgemeinde Adenau. Neben rund vierzig weiteren Vereinen präsentierten die Wershofener Flieger sich vor ihrer DG 300 auf dem Boulevard. Raumgreifend und auffällig stand das Segelflugzeug mit seiner Spannweite von 15 Metern in der überdachten Halle. Einige Besucher nutzten die Gelegenheit, unter der Plexiglaskuppel des Hochleistungsflugsportgeräts Platz zu nehmen. Christian Grau, dem Vorsitzenden des Vereins, und der Geschäftsführerin Sabine Müller, die ihre Ämter ehrenamtlich verrichten, war es ein Anliegen, gemeinsam mit weiteren Freiwilligen ihre Vereinsarbeit zu präsentieren.

 

Auch Bürgermeister Guido Nisius und Landrat Dr. Jürgen Pföhler besuchten den Stand und zeigten Interesse an der Arbeit der Flieger, die zum Teil auch Jugendarbeit ist. Bereits Vierzehnjährige können in Wershofen mit ihrer Segelfliegerkarriere beginnen und auch Erwachsene wagen sich im Rahmen einer dreimonatigen Schnuppermitgliedschaft in die Luft. Ob sich für die Segelfluggruppe Wershofen das Dabeisein auf dem Nürburgring gelohnt hat, wird sich zeigen, wenn sich demnächst neue Flugschüler auf dem Flugplatz in der Verbandsgemeinde Adenau einfinden. In Wershofen ist jeder Willkommen, der schon immer mal den Traum vom Fliegen träumte. Hier wird er Wirklichkeit.