ASK 13, D-5701

Doppelsitziges Schulungsflugzeug

 

Aufgrund gestiegener Mitgliederzahlen und um dem Trend zum gemeinsamen Fliegen entgegen zu kommen wurde im Winter 2005 beschlossen, den Flugzeugpark des Vereins um einen weiteren Doppelsitzer zu ergänzen. Bestellt wurde eine DG-1000, die jedoch eine Lieferzeit von zwei Jahren hatte. Um diese zu überbrücken, wurde ein günstiges, schnell zu beschaffendes Flugzeug gesucht. Fündig wurde der Verein in Westerland auf Sylt, wo der Prototyp der ASK-13 zum Verkauf stand.

Nach ihrem Erstflug im Jahr 1966 hatte sich die Maschine einige Jahre bei der Segelflugschule Oerlinghausen im Einsatz befunden. Anschließend flog die Werknummer 1 für ein paar Jahre in Gütersloh, bevor sie nach Sylt kam. Bei der letzten Grundüberholung erhielt das Flugzeug dann wieder seine ursprüngliche Farbgebung und präsentiert sich nun weitestgehend im Originalzustand. Abweichend von den späteren Serienflugzeugen besitzt der Prototyp eine um 25cm größere Spannweite (16,25m).

Im April 2005 wurde die neue Errungenschaft auf dem Luftweg per Flugzeugschlepp von Westerland nach Wershofen überführt und wird seitdem erfolgreich im Vereinsbetrieb eingesetzt, wo sie die modernen Kunststoffdoppelsitzer sinnvoll ergänzt. Die ASK-13 blieb aufgrund des weiteren Zuwachses auch nach dem Kauf der DG-1000 im Verein.

 

Kein Schulflugzeug ist so weit in Deutschland verbreitet wie die ASK 13. Das Flugzeug, das 1966 Erstflug hatte, verwendet die gleichen Flügel wie die Ka 7, jedoch sind die stark vorgepfeilten Flügel in Mitteldeckeranordnung, so dass die Flügel nicht die Sicht des Fluglehrers behindern, wie das bei der Ka 7 der Fall ist.

Außerdem besaß die ASK 13 erstmals ein gefedertes Rad, was den Rücken der Fluglehrer schonte. Bei Schleicher lief die Produktion nach 618 Exemplaren aus, bei der Jubi Oerlinghausen wurden aber noch bis 1992 weitere 80 Maschinen mit zahlreichen Modifikationen hergestellt. Trotz des Siegeszugs der Kunststoffbauweise ist die ASK 13 noch immer ein sehr beliebtes Schulflugzeug, dass für seine Gutmütigkeit bekannt ist.

Daten:

Hersteller:

Alexander Schleicher, Poppenhausen

Kennzeichen:

D-5701

 

Werknummer:

13001

Taufname:

---

Baujahr:

1966

In Vereinsbesitz:

2004 - heute

   

Technische Daten:

Anzahl Sitze:

2

Rumpflänge:

8.18 m

Spannweite:

16.25 m

Flügelfläche:

17.50 qm

Leergewicht:

290 kg

Fluggewicht:

480 kg

Flächenbelastung:

21.70 kg/qm

Mindestgeschw.:

61 km/h

Höchstgeschw.:

200 km/h

Sinkgeschw.:

0.80 m/s bei ca.75 km/h

Beste Gleitzahl:

28 bei ca.85 km/h

 

 

 

Erstes fliegendes Denkmal in Rheinland Pfalz?

 

Wershofen. Weil an verschiedenen Stellen des Prototyps der Lack abplatzte, machten sich Mitglieder der Segelfluggruppe Wershofen im Rahmen eines Lehrgangs daran, einen alten Schatz, der sich im Fundus des Vereins befindet, als Übungsobjekt zu nutzen. Gut ein halbes Jahrhundert gleitet das Segelflugzeug vom Typ ASK13 bereits durch die Lüfte. Die 1966 gebaute Maschine war in die Jahre gekommen.

 

Das altehrwürdige Fluggerät – es war das erste Exemplar dieser Baureihe – stammt vom renommierten Segelflughersteller Alexander Schleicher in Poppenhausen auf der Wasserkuppe. Das Modell wurde entworfen vom legendären Segelflugzeugkonstrukteur Rudolf Kaiser, dessen Initiale das Flugzeug trägt. Somit hat sich der 1922 in Waldsachsen geborene Ingenieur verewigt. Bei den Fliegern heißt das Flugzeug kurz „K13“. Die dreizehn steht für die Baureihe dieses Typs. Schleicher produziert seit 1927 in der Rhön. Bis heute.

 

Modelle dieser Serie liefen insgesamt rund 700-mal vom Band. Seit Mitte August 2017 ist die K13 nach einer grundlegenden Sanierung durch die Wershofener Segelfluggruppe wieder tauglich für den Einsatz.

 

Die Flugschüler sitzen jeweils vorne und steuern das Gerät, der erfahrende Fluglehrer sitzt dahinter. Eng ist es in der K13. Haptisch reizvolle Materialien wie Stahl, Holz und Stoffbespannung sind verbaut. Eine spartanische Ausstattung. Verglichen mit modernen Kunststoffseglern ist das museale Luftfahrzeug ziemlich Retro – und es fliegt sich auch so. Beschaulich.

 

Die Plexiglaskuppel bietet auf allen Plätzen eine fantastische Rundumsicht, da es sich hier um einen Mitteldecker handelt. Die Tragflächen sind unterhalb des Rumpfes angebracht. Zudem sind sie vorpfeilig. Die Flügelspitzen kragen zu den Enden hin nach vorne. Das schafft eine besondere Ästhetik. Und über die verfügt das Segelflugzeug nicht zuletzt auch deshalb, weil die Bespannung rot und die Tragflächen weiß gehalten sind. Eifeler, die also künftig ein rotes Segelflugzeug in der Region um Wershofen im Landkreis Ahrweiler sichten, wissen spätestens jetzt, dass es sich bei diesem Flugobjekt um eine echte Rarität handelt.

 

Angeschafft hatten die Wershofener Fliegerfreunde ihre K13, weil die Mitgliedszahlen im vergangenen Jahrzehnt sprunghaft angestiegen waren. Ein weiterer Schulungsflieger musste her. Die K13 ist besonders auch deshalb für Schulungszwecke geeignet, weil sie Trudelübungen, zu gut deutsch Sturzflüge, bei denen das Flugzeug wie ein welkes Blatt um seine Hochachte dreht, zulässt. Kontrolliertes Trudeln ist eine der Disziplinen im Kunstflug, die zu beherrschen höchst anspruchsvoll ist. Das Trudeln wird auch im Rahmen der Ausbildung demonstriert, um die Beendigung dieses an und für sich gefährlichen Flugzustandes zu üben.

 

Erworben hatte der Verein sein Schätzchen für nur zehntausend Euro in Sylt, von wo es im Jahre 2005 per Flugzeugschlepp in die Eifel befördert wurde.

 

Viel Arbeit kam da auf die Segelfluggruppe in Wershofen zu. Auch ein Segelflugzeug altert. Vor allem, wenn Witterungsbedingungen, Kälte und Hitze, an der Außenhaut zehren. Noch dazu werden durch den Segelschulbetrieb alle beweglichen Teile wie Höhen-, Quer- und Seitenruder wie auch das Fahrwerk und der Rahmen stark beansprucht.

 

Die Sportfreunde in Wershofen stellten sich der Aufgabe, ihre K13 zu restaurieren. Allen voran der 57-jährige Bad Neuenahrer Norbert Mülligann, seit drei Jahren Mitglied in den rund 170 Mitgliedern zählenden  Wershofener Segelflugverein. Bereits als zwanzigjähriger war der gelernte Werkzeugmachermeister angetan vom Luftraum. Als Drachenflieger. Seit zwölf Jahren fliegt er bereits auch mit Segelfliegern. Er hat sein passendes Pendant gefunden. Seine Frau Heike frönt der Fliegerei bereits seit vier Jahrzehnten. Als vierzehnjährige kam sie zum Luftsport. Eine gute Kombination für das zeitraubende Hobby.

 

Mülliganns Passion ist das Schrauben. Sein Vater war Schreiner. Daher hat er ebenso Bezüge zum Holz. Über dreihundert Arbeitsstunden steckte er seit vergangenem Winter in die Restaurierung, seine Frau zusätzlich weitere hundertfünfzig. Auch die Vereinsjugend sowie weitere passionierte Bastler brachten sich werkelnd ein.

 

Um die umfangreichen Arbeiten sachgerecht durchführen zu können, besuchte Mülligann beim rheinland-pfälzischen Luftsportverband in Bad Sobernheim eigens einen Lehrgang und erwarb das Zertifikat zum Zellenwart. Zellenwarte im Luftsport sind befähigt Flugzeuge in Holz- und Gemischtbauweise zu restaurieren. Mülligann ist für den Verein der Mann der Stunde. Er beherrscht alle Disziplinen.

 

Das alte Muster wurde komplett zerlegt. Jede Schraube wurde unter die Lupe genommen, der Rahmen abgeschliffen und neu lackiert, die Bespannung rundum erneuert, in mehreren Schichten wurde die tiefrote Farbe aufgetragen. Ein weißer Streifen ziert die Längsseiten. Alles wurde in den Originalzustand zurück versetzt.

 

Die Frage, warum ihm ausgerechnet dieses alte Flugzeug ans Herz gewachsen sei, zaubert Mülligann ein Strahlen ins Gesicht: „Ich liebe alte Flugzeuge! Wie Oldtimer bei den Autos...“

 

Das Flugverhalten sei gutmütig, attestiert Mülligann der K13 mit ihrer Spannweite von 16,25 Metern. Ohne dass der Luftstrom abreißt, kann das Flugzeug mit nur knapp über sechzig Stundenkilometern in der Luft fortbewegt werden. Das ist sehr erstaunlich. Die Entdeckung der Langsamkeit ausgerechnet in der Luft!

 

Am Samstag, den 12. August 2017 war es dann nach Abschluss der Sanierung endlich soweit. Der Prüfer des Landesluftsportverbandes, Jörn Kranigk, nahm nach der zeitraubenden Restaurierung das Muster unter die Lupe. Es wurde gewogen, austariert, gemessen. Und frei gegeben. Seit dem Wochenende fliegt sie nun wieder. Sie – eine Grand Dame der Segelfliegerei. Die knallrote K13 hat wieder TÜV, um es in der einfachen Sprache der Autofahrer auszudrücken.

 

Für die Wershofener Flieger ist dies ein Grund zum Jubeln. Hatten sie doch auf ihrem Flugplatz erst einen Monat zuvor Fachleute vom Denkmalschutz aus Mainz und von der unteren Denkmalbehörde aus Bad Neuenahr-Ahrweiler zu Besuch, die Interesse bekundeten, das betagte Schmuckstück in die Denkmalliste aufzunehmen. Ein bislang einmaliger Vorgang in der rheinland-pfälzischen Luftfahrtgeschichte.

 

Nun wartet die Segelfluggruppe Wershofen mit Spannung auf den Entscheid aus der Landeshauptstadt.

 

Als Nachfolgeprojekt haben die Wershofener bereits als Alternative die Ausrüstung mit einer offenen Haube ins Auge gefasst. Diese hat es bei diesem Muster historisch zwar so nicht gegeben, sie bietet aber die Möglichkeit für Piloten, Flugschüler und Fluggäste, sich bei gutem Wetter den Wind um die Nase wehen zu lassen. Grund genug für Interessenten einmal bei den Wershofener Fliegern vorbeizuschauen, um für einen überschaubaren Unkostenbeitrag mit einem Oldtimer-Segelflugzeug in die Luft zu gehen und sich die Eifelllandschaft aus der Vogelperspektive anzuschauen.

 

János Wágner